Medienmitteilung zur Individualbesteuerung
2. Februar 2026 – Überparteiliche Thurgauer Allianz sagt Nein zur Individualbesteuerung
Kompliziert, ungerecht und teuer: Breite überparteiliche Thurgauer Allianz sagt Nein zur Individualbesteuerung
Weinfelden, 2. Februar 2026 – Eine breite überparteiliche Allianz lehnt die
Einführung der Individualbesteuerung entschieden ab. Die Reform, die als Lösung gegen die sogenannte Heiratsstrafe präsentiert wird, würde in Wirklichkeit neue Ungerechtigkeiten schaffen, die Steuer-Bürokratie massiv ausbauen und hohe Kosten für Bund, Kantone, Gemeinden und Steuerzahlende verursachen.
Mit der neuen Individualbesteuerung entstehen neue Ungerechtigkeiten: Ehepaare mit einem Haupteinkommen oder Familien mit tiefem Zweit-Einkommen müssten deutlich höhere Steuern zahlen. «Familien, Alleinstehende und der Mittelstand würden steuerlich stärker belastet, während gutverdienende Doppelverdiener-Ehepaare mit sehr hohen Einkommen profitieren. Das ist nicht fair. Die Reform verkennt die Realität vieler Familien», sagt SVP-Präsident Ruedi Zbinden. Gemäss vorliegenden Berechnungen würden 78 Prozent der steuerlichen Entlastungen den reichsten 16 Prozent der Haushalte zugutekommen. Bestehende Ungleichheiten würden damit verstärkt statt beseitigt. EVP-Kantonsrätin Elisabeth Rickenbach ergänzt: «Die Individualbesteuerung bestraft Familien, in welchen ein Ehepartner sich besonders stark in der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen engagiert. Das ist unfair und belastend.»
Ein Bürokratiemonster ohne Mehrwert
«Die Individualbesteuerung ist ein Bürokratiemonster. Sie bringt einen enormen Mehraufwand und hohe Kosten für die Steuerzahlenden und die Gemeinden», sagt Sandra Stadler, Präsidentin der Mitte Thurgau. Mit der Individualbesteuerung müssten Ehepaare künftig zwei Steuererklärungen statt einer einreichen. Dies würde schweizweit jährlich rund 1,7 Millionen zusätzliche Steuererklärungen bedeuten, im Kanton Thurgau alleine über 65’000. Um diese zu bearbeiten, müssten Kantone und Gemeinden über tausend zusätzliche Vollzeitstellen für Steuerangestellte schaffen und Millionenbeträge in neue IT-Systeme investieren – ohne jeglichen Mehrwert für die Bevölkerung. «Die Individualbesteuerung bedeutet mehr Bürokratie, höhere administrative Kosten und neue Unsicherheiten – insbesondere für KMU, Familienbetriebe und Selbstständige. Anstatt das Steuersystem zu vereinfachen, würde es weiter verkompliziert und verteuert», sagt SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr.
Nein zur steuerlichen Aufteilung des Besitzes der Eheleute
Damit das Vermögen eines Ehepaars individuell versteuert werden kann, müsste sein Besitz wie bei einer Scheidung aufgeteilt werden. «Ehepaare würden gezwungen, ihr gemeinsames Vermögen – Bankkonten, Liegenschaften und weitere Vermögenswerte – künstlich aufzuteilen. Dies führt zu Rechtsunsicherheit und einem erheblichen administrativen Mehraufwand», sagt Christian Mader, EDU-Kantonsrat.
Von den Kantonen klar abgelehnt
Die Einführung der Individualbesteuerung würde einen Systemwechsel auf allen
Ebenen – Bund, Kantone und Gemeinden – erzwingen. In der Vernehmlassung haben deshalb 21 von 26 Kantonen die Individualbesteuerung abgelehnt. Auch die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) spricht sich klar gegen das Projekt aus und warnt vor einem Eingriff in den Föderalismus sowie vor einer vom Bund verordneten Steuerharmonisierung. Zehn Kantone haben das Kantonsreferendum ergriffen, darunter auch der Kanton Thurgau. Die Einführung der Individualbesteuerung würde die Kantone zwingen, ihr Steuerrecht vollständig neu zu ordnen – von Prämienverbilligungen über Stipendien bis hin zu Vergünstigungen für die familienergänzende Kinderbetreuung. «Das wäre ein enormer bürokratischer Aufwand, der viele Verlierer schafft und kaum einen echten Nutzen für die Bevölkerung bringt. Denn die Kantone haben die bestehenden Herausforderungen längst selbst gelöst, beispielsweise mit dem Splittingmodell, wie es der Kanton Thurgau anwendet», sagt SVP-Nationalrat Manuel Strupler.
Es gibt bessere Lösungen
Die steuerliche Benachteiligung verheirateter Paare («Heiratsstrafe») kann viel
einfacher und ohne bürokratische Individualbesteuerung abgeschafft werden. Das
hat die Mehrheit der Kantone bereits gezeigt. «Es besteht also kein Bedarf für einen
kompletten Systemumbau, der die Ehe als solidarische Wirtschaftsgemeinschaft
beseitigt. Die Kantone haben bereits funktionierende Lösungen und die Individualbesteuerung zerstört diese bewährten Modelle», sagt FDP-Kantonsrätin Michèle Strähl-Obrist.
Breite Allianz sagt Nein
Der Widerstand gegen die Individualbesteuerung wird von einer breiten Allianz
getragen, zu der unter anderem Die Mitte, SVP, EVP und EDU gehören, ebenso wie
der Thurgauer Gewerbeverband und der Verband Thurgauer Landwirtschaft. Auch der Regierungsrat des Kantons Thurgau spricht sich gegen die Reform aus.
Weitere Informationen zur Kampagne
www.nein-zur-individualbesteuerung.ch
